
Die FISM-Weltmeisterschaft 2025 in Turin
Der Close-Up Wettbewerb
Das sind die 59 Künstler, die im Theater des Konferenzzentrums von Turin im Bereich „Close-Up“ aufgetreten sind. Dieser Bereich teilt sich in die Sparten „Card Magic“, „Micro Magic“ und „Parlour Magic“ auf.
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DANIEL PRADO, Portugal, Card Magic
Eine ruhige, minimalistische Darbietung rund um unsichtbare Würfel und Karten. Bei einer interessanten „Invisible Deck“- Routine darf der Zuschauer auch die Farbe des Spiels bestimmen, das dann farblich passend erscheint. 57,00 Punkte.
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MARKUS BILLNER, Deutschland, Micro Magic
Gleich zu Beginn werden wir daran erinnert, dass „Micro Magic“ bei FISM nichts mit einer intimen Vorführsituation für wenige Zuschauer zu tun hat. Wir sehen am Bildschirm im Saal ein stimmungsvolles Video in schwarz/weiß mit Musik, das uns in den Ort der Handlung einführt: Ein Zaubergeschäft in New York vor 100 Jahren. Der Verkäufer ist gerade nicht da, also probiert Markus, der Kunde, selbst sein Glück. „Es“ zaubert, ein magischer Salzstreuer bewirkt das Erscheinen vieler Münzen, einer Lupe und einer Riesenmünze, dann zerfällt alles zu Staub. Wir sehen auch eine Karate-Münze und eine Variante von Dean Dills „Explosion“. Sehr liebevoll zusammengestellt und gut vorgeführt. 66,71 Punkte.
KLAUS WIEDERMANN, Österreich, Parlour Magic
Klaus ist im Hauptberuf Steuerberater und hat sich deshalb zu einer ungewöhnlichen Idee inspirieren lassen. Er beweist, dass Manipulation im finanztechnischen Sinn und Manipulation mit Bällen, Münzen und Karten einiges gemeinsam haben. Er lässt große Tennisbälle erscheinen, mit einer speziellen Technik, die ich noch bei niemandem sonst gesehen habe. Dazu macht er Werbung für seinen Berufsstand und erzählt, wie er beim Verschwinden-Lassen von Einkünften, die das Finanzamt interessieren könnten, helfen kann. Das Thema ist dem Publikum im Saal offensichtlich bekannt und die Darbietung wird freundlich aufgenommen. 56,14 Punkte.
OLMAC, Frankreich, Card Magic
Dieser Künstler ist ein technisch großartiger Ausnahmekönner mit Karten. Er tritt fast immer bei FISM-Wettbewerben auf. 2003 in Beijing hat er den 3. Preis gewonnen. Er sprudelt nur so vor Ideen, hat aber manchmal Schwierigkeiten, die vielen Effekte und Pointen in eine stimmige Nummer zu packen. Diesmal entwickeln Tisch und Sessel ein Eigenleben und rollen weg. Dann sehen wir schräge Animationen: Eine Kartenecke schwimmt zu passender Musik wie die Rückenflosse eines Hais über den Tisch, dann kriecht eine Karte wie eine Raupe über die Mikromatte. Tolle Einfälle, aber etwas konfus. 64,86 Punkte.
DUO, Spanien, Micro Magic
Die Schüler Rúbi Féres und Fernando Nadal sitzen nebeneinander an einem Pult. Offenbar langweilen sie sich und beginnen mit dem Jausenbrot, einem Getränkebecher und ein paar Münzen herumzuspielen und dann auch zu zaubern. Eigentlich passiert nicht viel, Karten erscheinen, Münzen wandern, Brotkrümel werden unter einen Becher gezaubert. Was diese Darbietung aber auszeichnet ist die wunderbare Schauspielkunst der beiden. Es macht einfach Spaß, ihren stummen Dialog zu erleben. Es entstehen kleine Konflikte, die magisch aufgelöst werden, wie zum Beispiel die Sache mit dem Zahnstocher, den Rúbi zwischen den Zähnen stecken hat und der Fernando unheimlich nervt. Immer wieder nimmt er ihn seinem Schulkollegen weg, doch das Ding kehrt regelmäßig zurück, zuletzt sogar zwischen die Lippen von Fernando. Es entstehen auch lustige Szenen, weil man bei den dicht aneinander sitzenden Magiern nicht mehr zuordnen kann, wem genau welcher der vier Arme gehört. Und dann spielen sie auch noch vierhändig Gitarre. Beste Unterhaltung, verdiente 78,86 Punkte, 2. Preis in Micro Magic.
SHO TAKASHIGE, Japan, Parlour Magic
Ein Bettler sitzt vor einem Kübel und hält ein Schild in Händen, auf dem er um Kleingeld bittet. Das Schild verwandelt sich in eine Spieldose, die, solange Musik aus ihr ertönt, Blütenblätter in Geld verwandelt. Es erscheinen Kaskaden von Münzen, doch der Bettler wird nicht reich. Als die Musik verstummt, liegen auf einmal nur noch Blüten in seinem Kübel. Eine technisch tadellose und sehr stimmungsvolle Variante des „Miser´s Dream“-Themas. Beachtliche 73,43 Punkte, doch das ist nur der vierte Rang, also leider kein Preis.
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ALEC, Taiwan, Card Magic
Eine Kartendarbietung rund um einen soziologischen Begriff, den „Etikettierungsansatz“. Alec versieht Spielkarten mit Klebe-Etiketten, auf die er gewählte Kartennamen schreibt. Die Karten verwandeln sich entsprechend. Dann ist plötzlich das ganze Spiel etikettiert, dann wieder nicht. Er selbst hat einen Sticker mit der Aufschrift „Magician“ am Revers. Den nimmt er schließlich in einer philosophischen Geste ab, weil er findet, dass jede Person mehr sein sollte als ein ihr zugedachtes Label. 64,00 Punkte.
TOBY RUDOLPH, Deutschland, Micro Magic
Es ist mir ein Rätsel, wie jemand, der an einer nervenaufreibenden Weltmeisterschaft teilnimmt, derartig entspannt und lustig sein kann. Das übertrug sich auf die zwei helfenden Zuschauer und auf den ganzen Saal, alle hatten enormen Spaß. Toby stellt das Kartenspiel „Cards against Magicians“ vor (eine Parodie auf das bekannte Spiel „Cards against Humanity“). Auf einen Riesenstapel weißer Karteikarten hat er die nervigsten Bemerkungen von Zuschauern gesammelt, wie zum Beispiel: „Darf ich das Spiel erst mischen?“. Die Helfer mischen und bekommen zufällige Zuschauersprüche zum abwechselnden Vorlesen. Aus dieser originellen theatralischen Situation entsteht die Trickhandlung, wobei der Vorführende durch die Kartentexte vor immer neue Herausforderungen gestellt wird. Zum Beispiel „Können sie das auch ohne Hände?“. Toby kann, er benutzt einfach seinen Mund für eine „Öl und Wasser-Routine“. Aber auch tricktechnisch gibt es einiges zu Rätseln, die abschließende Farbtrennung der Karten war auch für Kartenexperten eine harte Nuss. Eine in jeder Hinsicht preiswürdige Darbietung, aber mit 70,57 Punkten kein Preis.
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JAVI RUFO, Spanien, Parlour Magic
Er zeigt wieder die minimalistische Hommage an die verstorbene einarmige Kartenlegende „René Lavand“, mit der er vor drei Jahren in Quebec den zweiten Platz in Parlour Magic gewonnen hat. Zu Klaviermusik und zu poetischem Vortrag steckt er eine Hand in die Hosentasche, in der anderen hält er zwei Bälle. Ganz langsam legt er einen der Bälle in einen Hut, der Ball kehrt immer wieder in die Hand zurück. Diesmal nur 68,86 Punkte, kein Preis.
AL CHEN, Taiwan
Der kartentechnisch kompetente junge Mann in Lederjacke zeigt auf einem Stück Verpackungskarton alle möglichen Varianten des Gamblertricks „3 Card Monte“. Dann reißt er seine Vorführunterlage auf und in der Mitte steckt eine unterschriebene Kartenhälfte. 65,71 Punkte.
IBUKI, Japan, Micro Magic
Das fachlich versierte Publikum bei FISM-Wettbewerben schätzt es sehr, wenn es einem Künstler gelingt, alle im Saal vor ein Rätsel zu stellen. Das schafft Ibuki mit einer ungewöhnlichen Thematik. Er zeigt eine Matrix-Routine mit vier Knöpfen auf seinem Jackett. Die schneidet er mit einer Schere ab und legt sie auf ein Stofftaschentuch. Die Knöpfe wandern von der Mitte in die Ecke des Taschentuchs, sind dann aber dort fest angenäht. Dann ist plötzlich ein Knopf durch das Tuch auf der Mikrounterlage angenäht, das Konvolut aus Matte, Tuch und Knöpfen wird zum Untersuchen gegeben. 82,43 Punkte, 1. Preis in Micro-Magic, er qualifiziert sich für das Grand Prix-Finale in Close-Up, in dem er sich gegen Mortenn Christiansen durchsetzt.
VINCI TANG, China/Hong Kong, Parlour Magic
Zauberei mit dem Rubik´s Cube ist inzwischen so beliebt, dass man über eine eigene Wettbewerbs-Kategorie nachdenken könnte. Vinci zeigte eine erstklassige, gut strukturierte Routine, bei der sich die Unmöglichkeit der Effekte laufend steigert. Sein freundlicher Umgang mit einer Helferin aus dem Publikum war vorbildlich, das ist nicht bei allen Künstlern so. Manche behandeln diese wie austauschbare Requisiten. 62,14 Punkte.
AIR ONE, Frankreich, Card Magic
Das Rätsel, warum ein Franzose “Air One” heißt, konnte ich lösen: Er heißt mit Vornamen Erwan, das klingt ählich wie „Air One“. Wir sehen szenische Magie: Er spielt die Rolle eines mit Handschellen gefesselten Karten-Hais, der von einem Mafiaboss, dessen Stimme man aus dem Dunkeln hört, gezwungen wird, sein Talent beim Falschspiel zu beweisen. Das gelingt ihm trotz Fesselung eindrucksvoll. Es stellt sich nach einem Quick Change heraus, dass der Held der Geschichte in Wahrheit ein verdeckter Ermittler der Polizei ist, der die Bösewichter verhaftet.
63,29 Punkte.
GONÇALO GIL, Portugal, Card Magic
Der Magier ist am Schreibtisch eingenickt und durchlebt einen Albtraum. Dinge vor ihm verändern die Größe, die Pik Dame verfolgt ihn und erscheint immer wieder, ein Rubik-Würfel wird kleiner und vervielfältigt sich. Eine gute Nummer, bei der aber allen klar war, dass er sie nur im Sitzen vorführen kann. 64,29 Punkte.
DER EDUARD UND DIE QUEEN, Österreich, Parlour
Eigentlich war das eine Mentalnummer. Mentalisten wird oft vorgeworfen, dass sie ihrem Publikum zu wenige visuelle Reize bieten. Das trifft bei dieser Darbietung sicher nicht zu. In einer aufwändigen Bühnenkulisse wird die Geschichte eines britischen Detektivs und seiner Gattin erzählt, die Verbrechen aufklären können, bevor sie passieren. Ein von der Jury ausgewählter Zuschauer darf rund um einen Mord Opfer, Mörder und Uhrzeit bestimmen. Auf einmal steht sein Name in einer Tageszeitung, offenbar ist der Zuschauer selbst der Mörder. Und sein Name steht auch noch innen in einem Hut, den er zu Beginn der Vorführung aufgesetzt hat. Eine spannende Nummer, die ich vom österreichischen Kongress kannte. Auf Deutsch hatte sie allerdings etwas mehr Schwung, finde ich. Alles in allem aber eine würdige Vertretung für Österreich bei FISM. 56,86 Punkte.
BLAISE SERRA, USA, Card Magic
Eine technisch sehr anspruchsvolle, aber etwas chaotische Vorführung. Im Zentrum steht ein Tisch mit einer durchsichtigen Acrylplatte, auf dem mit Filzstiften Kartennamen geschrieben werden. Als Schlusseffekt stellt er in einem gemischten Spiel ohne Austausch die New-Deck-Ordnung wieder her. Kartenzauberer wissen, wie schwer das ist. Aber eine schlüssige Präsentation fehlte. 54,86 Punkte.
JÖRGEN SONDELL, Schweden, Micro Magic
Er liest anfangs ein Buch über Falschspiel. Daraus erscheinen Würfel, die wieder verschwinden und kleiner werden. Nicht schlecht, aber für FISM zu wenig Originalität und zu wenig Energie. 58,43 Punkte.
TOMO, Japan, Parlour Magic
Der Künstler stellt sich der Herausforderung, verschiedene Aufgaben mit dem Rubik´s Cube unter Zeitdruck zu lösen, die in einem Heft aufgelistet sind. Das gelingt ihm eindrucksvoll und am Ende stimmt sogar das Muster des verdrehten Würfels mit dem Cover des Aufgabenhefts überein. 63,57 Punkte.
JAMES SWEDYK, USA, Card Magic
Er sagt, seine Mutter hätte ihm sehr früh beigebracht, wie man beim Pokern schummelt und beweist das mit einer klassischen Falschspielroutine mit einem Rainbow-Deck Finale. 57,57 Punkte.
VOVA, Russland, Micro Magic
Er spielt die Rolle eines Graffity-Malers. Die Spraydosen und die Verschlusskappen werden zum Zaubern verwendet, es folgt eine neuartige Dice-Stacking Routine bei der sich Würfel sichtbar ausrichten. Als Abschluss entsteht das bekannte Banksy-Bild von einem Mädchen mit Ballon. 70,14 Punkte.
MAGIC JOSE, Spanien, Parlour Magic
Er zeigt ein in einer Flasche eingeschlossenes Kartenspiel. Eine Karte wird mittels eines mathematischen Prozesses gewählt, die Flasche zerstört, das Kartenspiel geöffnet und die gewählte Karte ist die einzige bedruckte in einem Blanko-Spiel. 51,71 Punkte.
BERTRAND MORA, Frankreich, Card Magic
Er zeigte eine nette, von Agatha Christies Romanen inspirierte Routine mit einer Opferkarte, die von einer Pistolenkugel durchbohrt ist. Es folgt eine unterhaltsame Story-Deck Routine, die erschossene Karte wird schließlich in einem Krimi-Buch wiedergefunden. 57,43 Punkte.
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STARMAN, Italien, Micro Magic
Den aus Argentinien stammenden Italiener kannte ich von FISM 2018 in Busan, er gewann damals den 3. Preis. Er hat die Nummer weiterentwickelt. Ein vom Alkohol gezeichneter Mann wurde offenbar von seiner Frau verlassen. Am Tisch stehen ein Bilderrahmen mit einem Foto der Verflossenen, eine Whiskyflasche und ein Glas. Diese Gegenstände entwickeln ein magisches Eigenleben. Ein Ehering, den er frustriert ablegt, springt auf den Finger zurück und wandert in die Whiskyflasche. Das Foto der Ex wird zerknüllt und weggeworfen, findet aber immer wieder den Weg in den Bilderrahmen. Die Musik wird schneller, das Geschehen wird chaotischer, laufend passieren unerwartete Dinge, zum Beispiel steigt aus seinem Hemdkragen Rauch auf. Schauspielerisch großartig, 74,14 Punkte, ein verdienter 3. Preis in Micro Magic.
EDWARD HILSUM, Großbritannien, Parlour Magic
Er bittet Zuschauer um Fotos aus ihrer Handy-Galerie. Er zeigt dann sein eigenes Lieblingsfoto. Nach ein er schöne Münzroutine zu Musik wandert das Foto des Zuschauers in den Bilderrahmen des Magiers. 60,14 Punkte.
KIMOON DO, Korea, Card Magic
Bestes Entertainment trifft auf beachtliche Fingerfertigkeit. Er will die vier Asse finden, eine andere Karte mit einem aufgedruckten Pfeil gibt ihm Hinweise, wo sie sein könnten. Die Pfeilkarte verwandelt sich in ein As und taucht dann überraschend an immer neuen, unerwarteten Orten auf. Dann steigert sich das Tempo: Überall erscheinen Kartenspiele, dann findet er alle Karten einer gewählten Farbe aus einem gemischten Spiel in der richtigen Reihenfolge. Die Show wird von einer Fülle von Insider-Gags für Magier begleitet. Für mich die beste Darbietung des Card Magic Wettbewerbs. 75,00 Punkte, 3. Preis in Card Magic.
DOWON PARK, Korea, Micro Magic
Eine musikalische Wohlfühl-Nummer zu sorgfältig abgestimmten Perkussions-Effekten. Ein Schüler sitzt am Pult und zerknüllt Papierseiten, die sich in orangene Bälle verwandeln. Es folgt ein rhythmisches Becherspiel, das Publikum klatscht mit. Die Bälle vermehren sich, werden kleiner, größer und verschwinden in einer Konfettiwolke. Ein Buch und das T-Shirt des Schülers färben sich orange. Viel Energie, 67,43 Punkte.
MARTIN HANSSON, Schweden, Parlour Magic
Ein Mann mit Clownnase und Ballon steht im Scheinwerferlicht. Er lässt den Luftballon los, doch der friert ein. Es folgen längere Schwammball-Manipulationen mit der Clownnase, dann setzt er sich die Nase wieder auf und auch der Ballon kehrt zu ihm zurück. 57,57 Punkte.
CHRISTIAN BRANDES, Deutschland, Card Magic
Christian wechselt mit einer Zuschauerin die Rolle und den Sitzplatz, sie zaubert, er sieht zu. Ein Origami-Hase findet eine Karte, eine andere wird auf dem Stuhl der Helferin gefunden. Schöne Interaktion mit dem Publikum. 59,00 Punkte.
AL PARECER, Chile, Micro Magic
Eine völlig schräge Darbietung. Al sitzt in einem kleinen Puppentheater, zusammen mit einem Fisch. Wir erleben eine animierte Kaffeetasse, er zeichnet mit einem Pinsel Münzen auf eine Matte, die sich materialisieren. Dann tanzt der Pinsel und zeichnet mehrere Zungen, die sich in Wasser verwandeln. Nach einem Blackout explodiert der Kopf des Künstlers, auf seinem Hals sitzt jetzt der Fisch von vorhin. Langweilig war es nicht, aber niemand wusste, was das soll. 54,29 Punkte.
KENNETH, Spanien Parlour Magic
Wieder eine kreative „Miser´s Dream“ Variante. Kenneth spielt einen Straßenkünstler, der Seifenblasen zu Münzen macht. Dann erscheinen Geldscheine und Riesenmünzen, die werden zu Goldstaub, wie gewonnen, so zerronnen. Beachtliche 72,57 Punkte von der Jury.
TOM MERTEN, Deutschland, Card Magic
Wieder ein mir bisher unbekannter guter Kartenzauberer aus Deutschland. Er verbindet anspruchsvolle Kartentechnik mit vielen Gags, unter anderem mit Plastikdaumen. Eine verschwundene Münze erscheint im „Daumen des Zuschauers“. Es folgt ein Fingerballett und visuelle Kartenfärbungen. Eine unterschriebene Karte findet sich in einem Riesendaumen aus Kunststoff wieder. Gute Stimmung im Saal. 64,57 Punkte.
JEFFREY WANG, China, Micro Magic
Ein sich drehender Kreisel wird zu einer Münze, es folgen viele schnelle, visuelle Effekte mit Münzen in verschiedenen Größen, einem erscheinenden Glas, einem Sharpie-Marker und Smiley-Aufklebern. Er macht einen Witz über Shin Lim und auf einmal quillt ihm Rauch aus dem Mund. Ich bin sicher, dass man von diesem jungen Mann noch viel hören und sehen wird. Diesmal aber nur 61,29 Punkte.
MORTENN CHRISTIANSEN, Dänemark, Parlour Magic
Der Weltmeister in der Sparte Comedy Magic von FISM 2022 in Quebec wollte es drei Jahre später wieder wissen, diesmal in der Sparte Parlour Magic. Sein schmuddeliges Outfit ist Teil seiner Bühnenfigur, er betritt die Bühne mit einem Handicap: Seine rechte Hand ist in einer Pringles-Dose stecken geblieben. Er muss deshalb nur mit der linken Hand zaubern. Ein Zuschauer darf eine Karte frei wählen, den Herz Vierer. Den findet Mortenn, der sich zunächst tollpatschig gibt, mit nur einer Hand. Dann definiert er den Begriff „Multipler Klimax“ neu: Die Pringles Dose lässt sich doch abnehmen, in der so befreiten Hand hält er einen gefalteten Herz Vierer. Weitere Herz Vierer erscheinen in seinen Taschen, seinem Hosenschlitz, in einer Baseballmütze und im Futter seiner Jacke eingenäht. Dann ertönt ein Lied, in dem vom Herz Vierer gesungen wird. 80,00 Punkte, 1. Preis und Weltmeister in Parlour Magic, er darf ins Grand Prix-Finale in dem er Ibuki unterliegt.
HUGO MAXIMILIANO, Spanien, Card Magic
Ein Aufmerksamkeitstest rund um eine Karte die verschwindet, erscheint und den Platz mit den Vier Assen tauscht. Eine temporeiche Vorführung mit starker Kartentechnik und sympathischem Vortrag. 66,29 Punkte.
THE MAD HATTER, Großbritannien, Micro Magic
Wieder einmal ein Brite mit einem Faible für Verkleidungen. Es wird eine Szene aus „Alice im Wunderland“ erzählt. Das Bühnenbild und sein Kostüm sind liebevoll zusammengestellt, die Effekte passen zum Thema, sind aber nicht besonders stark. Es geht unter anderem um eine unterschriebene Münze, die in einen Teebeutel und danach in eine Taschenuhr wandert. 60,43 Punkte.
NOJIMA, Japan, Parlour Magic
Eine interessante Variante zum Kunststück „Crazy Man´s Handcuffs“. Nojima verwendet statt Gummibändern jeweils vier gestapelte Würfel zwischen Daumen und Zeigefinger, die sich magisch verketten und entketten. Er wechselt von kleinen zu mittleren Würfeln, dann verkettet er sich mit seiner Krawatte, seiner Brille und dem Arm eines Zuschauers. Als Finale führt er den Effekt mit riesigen Würfeln vor, technisch gut und wirklich unterhaltsam. 67,14 Punkte.
MARKOBI, Frankreich, Card Magic
Der Karten-Weltmeister von FISM 2022 in Quebec zeigt wieder eine starke Kartenroutine mit originellen Effekten. Seine Vorführung wirkt wie immer chaotisch, in Wahrheit ist alles präzise geplant. Karten verwandeln sich, verschwinden, färben sich gelb und erscheinen an überraschenden Stellen wieder. Dann kommt ein zweites Spiel und zwei bunte Würfel hinzu, seine beiden Helfer treffen diverse Entscheidungen, es kommt zu verblüffenden Übereinstimmungen. Dann sehen wir noch seinen bekanntesten Trick, eine unerklärliche ACAAN-Variante. 65,86 Punkte von der Jury, da war er sicher enttäuscht.
RUNE CARLSEN, Norwegen, Micro Magic
Endlich einmal wirklich „Micro Magic“: Rune zeigt zwei Zuschauern aus der Nähe eine interessante Münz-Routine mit einer Okito-Dose, die ich mir nicht ganz erklären kann. Das Finale: Vier unterschriebene Münzen sind in der Acrylplatte seines Tisches eingeschweißt. 64,86 Punkte.
Die folgenden zwei Darbietungen konnte ich wegen einer zeitlichen Überschneidung mit dem Bühnenwettbewerb leider nicht sehen:
BILLY HSUEH, Canada, Parlour Magic
Er zeigte einen magischen Teekessel, 69,29 Punkte.
JOSH STALEY, Australien,
Cards to Pocket, Karte in Weinflasche, 63,57 Punkte.
OMINI & NICO, Schweiz, Micro Magic
Eine COVID-Parodie: Die beiden sind durch eine Krankheit namens FISM-Virus geschwächt, einer trägt einen Bademantel und sie ziehen einander grüne Schwammbälle aus der Nase. Das Virus breitet sich schnell aus, die Bälle vervielfachen sich, der andere steckt sich auch an und trägt dann ebenfalls Bademantel. Es erscheinen auch Fieberthermometer und Teströhrchen. 66,14 Punkte.
PIERO VENESIA, Italien, Parlour Magic
Ich hätte nicht gedacht, dass man mit dem uralten Nadel-Schluck-Trick bei FISM einen Preis gewinnen kann, Piero hat es mit einer originellen Variante geschafft. Er steht neben einer Nähmaschine und schluckt Nadeln, Zwirn, eine brennende Zigarette und ein brennendes Streichholz. Dann trinkt er ein Glas Wein und schluckt auch noch den Korken. Er zieht am Faden, alle Nadeln sowie die anderen Gegenstände, auch die brennenden, sind aufgefädelt. 77,57 Punkte, 2. Preis in Parlour Magic.
TINO PLAZ, Schweiz, Card Magic
Es geht um flüchtige Erinnerungen, symbolisiert natürlich durch Spielkarten. Wie seine Erinnerungen werden die Kartensymbole nach einiger Zeit schwächer und verschwinden. Manche kehren auch unvermittelt zurück, wie eine abgerissene Ecke einer Karte. Schöne, visuelle Effekte, vor allem der Schluss: In einem leeren Marmeladeglas auf dem Handteller des Zuschauers beginnt es zu rauchen und eine unterschriebene Karte erscheint ohne Bedeckung darin. Standing Ovation, 76,00 Punkte, 2. Preis in Card Magic, 1. Preis gab es in dieser Sparte keinen, Tino war also bester Kartenzauberer des Wettbewerbs.
JIN HYOUNG HAN, Korea, Micro Magic
Ein Recycling-Magier: Verpackungsfolie wird zu Glaskugeln, einem Vergrößerungsglas, einem Glasbecher. Die Wärme einer Kerze hilft, das Glas zu zerschmelzen, es wird wieder zu einer Glaskugel. Eine Blume wird aus Zellophanpapier geformt, ohne Bedeckung färbt sie sich rot und verwandelt sich in eine echte Rose. Die Jury gab dieser innovativen Darbietung nur 67,43 Punkte.
JONIO, Japan, Parlour Magic
Ein alter Bekannter in FISM-Wettbewerben, vor drei Jahren wurde er in Quebec Dritter in Parlour Magic. Im Mittelpunkt seiner Darbietung steht sein seltsamer Bart, den er von einem Zuschauer untersuchen lässt. Dann zieht er aus seiner Gesichtsbehaarung alle möglichen Dinge hervor („My beard is weird!“): Münzen, einen Kamm, kleine gefüllte Gläser und dann Riesenmünzen. Seine Technik ist ausgezeichnet, die Präsentation ist locker und witzig, das Publikum ist begeistert. 76,43 Punkte, wieder 3. Preis in Parlour Magic.
AUGUSTO AMEN, Dänemark, Card Magic
Augusto war offenbar von Lennart Green´s Blindfold-Act beeinflusst. Er lässt sich von einem Zuschauer das Gesicht mit einem breiten Textilband zukleben, leider geraten dessen Hände dazwischen und werden auch festgeklebt. Das führt zu einigen witzigen Situationen. Trotzdem findet der nun blinde Magier die vier Asse aus einem Spiel. Eine Karte wird unterschrieben und verschwindet, die restlichen Karten sind weiß. Beim Abnehmen des Klebebandes findet sich die Karte auf der Stirn des Künstlers. 70,86 Punkte.
MORGAN DE CECCO, Frankreich, Micro Magic
Eine stark pantomimisch geprägte Darbietung. Ein Bettler fährt U-Bahn, offenbar ist er ein Taschendieb und lässt Münzen und Geldbörsen erscheinen. Dann ist er im Casino und gewinnt viel Geld, von dem er etwas einem anderen Bettler abgibt. 66,43 Punkte.
ERIC CHIEN, Taiwan, Parlour Magic
Der Gewinner des FISM Close-Up Grand Prix von 2018 in Busan betritt die Bühne als alter Mann mit Maske. Eine Teetasse erscheint, er nimmt die Maske ab und ist wieder jung. Passend zu der Verwandlung zaubert er zu flotter Musik mit Spielzeug. In hohem Tempo erscheinen Schwammbälle, Kegel, Rubik´s Cubes, sein T-Shirt färbt sich und am Tisch erscheint ein riesiges Märchenschloss. Dann altert er wieder und humpelt aus dem Scheinwerferlicht. 71,14 Punkte, diesmal kein Preis.
ROBIN DEVILLE, Frankreich, Card Magic
Sein Act nennt sich „Dr. Blue & Mr. Red“, offenbar inspiriert von „Dr. Jeckyll & Mr. Hyde“. Er beginnt als schüchterner, blau gekleideter Wissenschaftler, der aus einem roten Reagenzglas eine Flüssigkeit zu sich nimmt, die ihn zu einem aggressiven Macho im roten Gewand macht. Das geht einige Male so hin und her, die Persönlichkeit und das Aussehen des Magiers ändern sich gemäß dem aktuellen Drogencocktail. Die Zauberei ist sehr stark, die Technik gut. Karten verschwinden, färben sich, haben plötzlich blaue oder rote Aufkleber. Eine unterschriebene Karte wird vom roten Magier gefunden, indem er brutal das Tischtuch mit einem Messer zerschneidet. Mit 73,57 Punkten erreicht er den undankbaren 4. Rang.
HERNAN MACCAGNO, Argentinien, Micro Magic
Ein extrovertierter Magier, der sich acht Zuschauer zum Zweck von viel Interaktion auf die Bühne holt. Er zeigt echte Close-Up Magie. Münzen durchdringen einen Tisch, er verwendet einen Klapptisch ohne Tischtuch. Er verwendet einen kleinen Metallring, ein tragbares Loch, das eine Wanderung von Münzen von Hand zu Hand ermöglicht. Diese Nummer war ein erfrischender Gegenentwurf zu den stark gescripteten Vorführungen vieler anderer Wettbewerbsteilnehmer. Dank seiner kommunikativen Begabung hatten er und alle Zuschauer gemeinsam viel Spaß. 69,43 Punkte.
ZAZZA, Italien, Parlour
Er bezeichnet sich als Rubik´s Cube Superhero, die etwas uninspirierte Routine, in der es um einen frei gewählten Farbsticker und einen Papiersack geht, hilft nicht wirklich, dieses Versprechen zu erfüllen. Vielleicht war die Sprachbarriere daran schuld.
54,43 Punkte.
FRANCESCO FONTANELLI, Italien, Card Magic
Francesco erzählt von seinem Vater, der auch gezaubert hat. Er stellt eine Kugelvase aus Plastik, also einen Anfängertrick, vor sich hin. Er lässt eine Karte signieren und zeigt eine schöne Triumph-Routine, den Trick seines Vaters. Dann zeigt er seine Version, die natürlich besser ist. Die bildoben/bildunten gemischten Karten sortieren sich magisch bis auf die Pik-Karten, die auch in der richtigen Reihenfolge liegen. Plötzlich liegt das Spiel in New Deck Order. Ein weiteres Spiel kommt hinzu und wird überzeugend gemischt. Es folgen verblüffende Übereinstimmungen, dann liegen die Karten in der gleichen Reihenfolge. Und die unterschriebene Karte steckt gefaltet in der Kugelvase. 76,43 Punkte, 2. Preis in Card Magic (der erste Preis wurde nicht vergeben).
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YURIY ZAHARIEV, Bulgarien, Micro Magic
Eine lange Matrix-Routine ohne überraschende Höhepunkte. Das ist zu wenig für FISM, sagte die Jury: BFL, Below FISM Level
MICHAEL BLOEMEKE, USA, Parlour
Der Künstler holt zwei bewegliche Kunststoff-Greifarme hervor und führt damit ein originelles Becherspiel für Magier vor. Er unterhält den Saal mit Insider-Gags, er zeigt mit den Plastikklauen eine Ramsey-Subtlety und einen Vernon-Wand Spin. Er lässt seine Krawatte verschwinden und seine Armbanduhr wandert auf die Klaue. Besonders gut kommt folgender Gag an: Michael hebt das Tischtuch an und zeigt, dass er aus Gründen der höheren Schwierigkeit den bei FISM obligatorischen heimlichen Helfer unter dem Tisch gefesselt und geknebelt hat. Standing Ovation, 69,86 Punkte, kein Preis, aber er erhält die Auszeichnung „Most Original Act“.
MARIO BOVE, Italien, Card Magic
Eine Second-Deal-Orgie, technisch anspruchsvoll, aber von der Präsentation her nicht besonders spannend, vor allem gegen Ende eines dreitägigen Wettbewerbs mit vielen sehr unterhaltsamen Nummern. Die Auslosung der Reihenfolge ist natürlich Glückssache. Als Finale verwandeln sich die Karten in ein buntes Regenbogen-Spiel. 56,43 Punkte.
GOTAISHI, Japan, Micro Magic
Was haben Buddhismus und Zauberkunst gemeinsam? Der Künstler im Mönchsgewand erklärt uns das: Klangschalen werden als Becherspiel genutzt und als Abschluss erscheint ein gefülltes Schnapsglas. Darf er das als Mönch? Eine unterhaltsame Vorführung, 61,29 Punkte.
MATTHEW LE MOTTEE, Großbritannien, Parlour Magic
Er spielt einen britischen Gentleman, der uns zur Tea-Time einlädt. Er zeigt ein Becherspiel, als Schlussladung erscheint erst seine Krawatte, dann ein Stück Kuchen. Dann folgt eine echte Überraschung: Die beiden Becher werden mit einem Messer aufgeschnitten, denn sie sind in Wahrheit Kuchenstücke mit brauner Schokoglasur, die Metallbechern täuschend ähnlich sehen. 66,14 Punkte.
PERE RAFART, Spanien, Micro Magic
Dieser Magier hat sowohl bei FISM 2018 in Busan, als auch 2022 in Quebec einen 2. Preis in Kartenmagie gewonnen. Der zweifache Vizeweltmeister tritt also zum dritten Mal in Folge bei FISM an und zeigt eine neue Darbietung: Er konzentriert sich auf den Paul Harris-Klassiker „Twilight“. Mit Hilfe eines kleinen Spiegels werden Münzen, Karten, eine Börse und einer Armbanduhr dupliziert, reduziert und verändert. Manchmal entstehen durch schräge Positionierung des Spiegels auch unmögliche Objekte. Dann zerbricht der Spiegel aus Versehen und alles ist wieder normal. 71,43 Punkte, diesmal kein Preis.
MANUEL MUERTE, Deutschland, Parlour Magic
Auch dieser Magier hat schon oft erfolgreich bei FISM-Wettbewerben teilgenommen. Manuel hat 1994 in Comedy Magic und 1997 und 2000 in Close-Up FISM-Preise gewonnen. Er ist bekannt für seinen sehr speziellen, extrovertierten Stil: Er tritt im Glitzeranzug auf, ein Gag jagt den anderen, dabei schreckt er auch nicht vor sarkastischen, manchmal verstörenden Pointen zurück. So auch diesmal: Ein Waschbär in einer Pelztierfalle soll eine gezogene Karte finden, er reißt dem Magier stattdessen das Toupet vom Kopf. Ein Schuhlöffel wandert dorthin, wo vorher die Krawatte des Künstlers war, ein Schuh findet sich in einer großen Tüte Popcorn wieder und ein großer Eisblock erscheint in einem Glas Orangensaft, darin ist die gesuchte Karte eingefroren. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen, Manuel wird wegen Zeitüberschreitung disqualifiziert.